13 Kundalini – Fluch und Segen zugleich – Interview mit Tanja Braid

Zum Thema „Kundalini“ habe ich via E-Mail ein Interview mit Tanja Braid vom Blog „Neoterisches Bewusstsein“ geführt. Den Blog und die Kontaktdaten zu Tanja verlinke ich in den Shownotes und in meinem Blogartikel. Tanja berichtet seit Mai 2017 in ihrem Blog u. a. über neues Wissen, Grenzwissenschaften, Luzides Träumen, Astralreisen, Energetik und eben auch Kundalini. Auf Kundalini liegt ihr Fokus – ebenso wie auf der Bewusstseinserneuerung und -erweiterung. Bei Tanja ist 2012 Kundalini erwacht und heute bietet sie anderen „Betroffenen“ oder „Begünstigten“ Hilfe und Unterstützung an.

Meine letzte Podcast-Folge handelte vom Pubo-Training oder auch PCE-Training, Hirschübung usw., d. h. der Techniken, die durch Anspannen des Beckenbodens auch zur Erweckung der Kundalini führen können.

Tanja, was ist Kundalini denn nun wirklich und welche Stufen gibt es?

Tanja Braid: Gemeinhin wird Kundalini als kosmische Kraft betrachtet, die in jedem Menschen als Potential ruht. Die tantrischen Schriften verstehen unter Kundalini die „zusammengerollte Schlange“, welche im Menschen am unteren Ende der Wirbelsäule im Wurzelchakra ruht. Wird Kundalini, respektive die Schlangenkraft erweckt, steigt sie durch den Wirbelsäulenkanal auf und durchstößt alle sieben Chakren, was den Menschen zu seinem höchst möglichen spirituellen Potential führt. Ferner wird Kundalini als Shakti bezeichnet. Das klassische Modell des Kundalini-Aufstiegs wird auch in der indischen Shiva-Shakti-Philosophie thematisiert. Shiva ist das unendliche Bewusstsein. Shakti ist die kosmische Energie. Bewusstsein und Energie streben zueinander, was durch ein Kundalini-Erwachen auch im menschlichen Körper geschieht.

Im Westen zeigen sich jedoch vom klassischen Modell abweichende Kundalini-Aufstiegs-Prozesse. Das heißt, beim ersten Erwachen – beim Fühlbarwerden der Energie – muss Kundalini nicht, wie in den Sanskritschriften beschrieben, vom unteren Teil der Wirbelsäule aufsteigen, sondern kann auch mit Licht von unten nach oben fließen, in den Kopf eindringen und den gesamten Menschen erhellen/durchfließen. Dies ist nur ein Beispiel von vielen anderen Möglichkeiten, wie Kundalini sich erstmals zeigt. 

Dennoch, auch wenn die Energie beim ersten Erleben nicht in der Wirbelsäule gefühlt wird, kommt dies meist später dazu. Als relativ sichere Indikatoren, dass es sich um ein Kundalini-Erwachen handelt, können folgende Zeichen gelten: Hitze, fühlbare Energie im ganzen Körper oder in der Wirbelsäule, Schlaflosigkeit, fühlen der Energie nicht nur zu bestimmten Zeiten, bsp. während der Meditation oder während des Yoga, sondern permanent – im Alltag, im Leben, im Schlaf und im Traum. Kundalini muss nicht bewusst „betätigt“ werden, sondern sie ist immer und fühlbar präsent, so wie der eigene Atem oder der eigene Herzschlag. Sie muss weder beschworen noch herbeigerufen werden, sie ist – einmal erweckt –  immer von selbst aktiv.

Zu den Stufen: Im Grunde gibt es bei Kundalini keine Stufen, die für Menschen mit einer aktiven Kundalini pauschal geltend gemacht werden können, sowie Definitionen darüber, wann ein Kundalini-Prozess abgeschlossen ist, kaum getroffen werden können.

Das indische Modell sieht die sieben Chakren zwar als durch Kundalini zu reinigen an, weswegen man das Chakrenmodell auch mit Stufen in Verbindung bringen kann, dennoch widerspricht das Modell meiner Erfahrung mit Klienten. Wenn bei einem Menschen Kundalini z. B. gerade im Sakralchakra ist und dieser Mensch dies verbalisieren kann, weil er das Sakralcharka z. B. intensiv fühlt, dort ein Stechen und/oder Bohren empfindet, so ist nicht gesagt, dass Kundalini danach das nächst höhere Chakra, nämlich das Solarplexus-Chakra berührt. Im Gegenteil: Kundalini kann springen, kann z. B. im Wurzelchakra sehr aktiv sein und danach z. B. ins Kehlkopf-Chakra springen oder ein anderes Chakra berühren. Es gibt meiner Erfahrung nach kein Schema, das für jeden Erweckten gleichermaßen gilt, auch wenn die indischen Schriften im Kundalini-Aufstieg ein relativ geordnetes Schema verorten.

Als grobe Einteilung kann gelten, dass zu Beginn des Erwachsens sämtliche bekannte Symptome des Kundalini-Syndroms am stärksten sind, die Intensität jedoch mit der Zeit nachlässt, wenn Körper, Geist und Seele an die neue Energie adaptiert sind.

Danach kann es ruhigere Phasen geben. Dies wird häufig als Ende des Aufstiegs begriffen – oder fehlverstanden, dennoch können im Laufe des Lebens wieder intensivere Phasen folgen.

Manchmal wird als Ende des Auftiegs auch ein Erleuchtungserlebnis gesetzt, dennoch ist auch Erleuchtung, bzw. Samadhi, nur ein punktuelles Erlebnis im Leben mit Kundalini, jedoch nicht Endziel oder Abschluss.

Das heißt, eine einmal aktivierte Kundalini verhält sich bei jedem Menschen individuell, kann phasenweise sehr kraftvoll und intensiv sowie phasenweise eher ruhig und mild sein. Der Prozess ist niemals abgeschlossen, eine erweckte Kundalini begleitet einen Menschen bis zu seinem Tod.

Bei Dir ist Kundalini spontan 2012 erwacht und Du wusstest durch Deine vorherige Entwicklung bereits, worum es sich handelt. Welche positiven und negativen Folgen hatte das für Dich?

Tanja Braid: Die positiven Folgen waren, dass ich teils paranormale Kräfte, die sog. Kundalini-Siddhis erleben und erfahren durfte. Diese übersinnlichen Erlebnisse erweiterten mein Weltbild dahingehend, dass ich verstand, dass es bei weitem mehr gibt, als die physisch-materielle Welt. Auch das menschliche Körper-Geist-Seele-System ist grundsätzlich viel mehr, als ein Denkapparat in einer „Fleischhülle“. Die Angst vor dem Tod oder Fragen, ob es nach dem Tod ein Weiterleben gibt, sind für mich obsolet geworden.

Auf körperlicher Ebene habe ich generell mehr Energie zur Verfügung, brauche weniger Schlaf und weniger zu essen.

Auch die Sensibilität ist erhöht: Die körperlichen Sinne (sehen, riechen, hören, fühlen) sind feiner geworden. Auch habe ich feinstoffliche Wahrnehmungen.

Die negativen Folgen waren z. B. Schlaflosigkeit, erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit, verstärkte Emotionen, Schmerzen in den Meridianen und Nervenbahnen, Ängste vor den unbekannten Kundalini-Phänomenen, Angst vor dem Unbekannten.

Reicht aus Deiner Sicht die Übung mit dem Anspannen des Beckenbodens oder was gehört noch dazu, um Kundalini zu erwecken?

Tanja Braid: Es gibt verschiedene Wege, wie Kundalini erwacht oder erweckt werden kann. Wenn jemand Kundalini gezielt erwecken möchte, so reicht meiner Meinung nach das Anspannen des Beckenbodens alleine nicht aus, wenngleich es natürlich eine gute Übung ist. Ein etwas erfolgreicherer Weg wäre Kundalini-Yoga mit Pranayama (Atemübung) und Meditation.

Doch auch Menschen, die jahrelang Kundalini-Yoga, Pranayama und Meditation üben, müssen Kundalini nicht zwingend erwecken, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass Kundalini durch speziell diese drei Praktiken erwacht, relativ groß ist.

Anderseits gibt es Menschen, die keinen spirituellen Weg beschreiten, aber dennoch ein spontanes Erwachen erleben. Es kann dies z. B. ein Taxifahrer, Koch eine Kassierin oder Studentin sein. Es kann beim Einkaufen geschehen oder irgendwann im Alltag.

Als ich mit dem Pubo-Training von Kurt Tepperwein begonnen habe, war mir Kundalini gänzlich unbekannt. Die passenden Informationen haben mich dann jedoch sehr schnell gefunden. Nach drei Monaten täglichen Trainings habe ich Herrn Tepperwein gefragt, warum bei mir so wenig passiert. Seine Antwort war, dass die Weisheit des Lebens bei mir die Erweckung unterdrückt. Wie ist Deine Meinung dazu?

Tanja Braid: Gründe festzulegen, warum Kundalini bei einem Menschen (gerade) erwacht und bei anderem Menschen nicht, ist. m. E. nach nicht nur diffizil, sondern gewagt. Sehr wahrscheinlich spielen insbesondere beim Kundalini-Erwachen auch karmische Ursachen eine Rolle.

Grundsätzlich lohnt sich ein spiritueller Weg mit Kundalini-Yoga, Pranayama und Meditation immer, denn das energetische Niveau kann dadurch stark angehoben werden, auch wenn Kundalini nicht erwacht. 

Die Kundalini zu erwecken sollte andererseits jedoch nicht/niemals Hauptmotivation sein, um den spirituellen Weg zu beschreiten. Kundalini lässt sich eher wie eine Nebenwirkung, wie ein Begleitumstand des spirituellen Weges betrachten, jedoch nicht als Endzweck.

Meine persönliche Meinung ist, dass eben diese Bestrebung – der tiefe Wunsch nach Egotranszendenz und göttlicher Selbstoptimierung – irgendwann zum Kundalini-Erwachen führt. Dies kann in diesem Leben geschehen oder in einem anderen. Die Bemühung jedoch geht sicherlich nicht/nie verloren.

Du hattest zu Beginn vom Podcast die Stufen von Kundalini kurz vorgestellt. Lass uns da noch etwas tiefer reingehen. Zunächst beginnt es mit dem Kundalini Aufstieg, der physische und psychische Folgen hat. Was passiert hier genau und wie hast Du das erlebt?

Tanja Braid: Es kann beim Erwachen Vorboten geben, wie z. B. intensive Träume und Nervosität. Zumeist ist Kundalini abends und in der Nacht verstärkt aktiv, weswegen sich vor allem in dieser Zeit die stärksten Symptome zeigen.

Ich persönlich hatte vor allem in den Nächten relativ starke Symptome: Schmerzen in der Wirbelsäule, energetischer Druck, Hitze, beschleunigter Herzschlag und erhöhter Stoffwechsel, Schlaflosigkeit, außerkörperliche Erfahrung(en), übersinnliche Wahrnehmung (bei mir vor allem Aurasehen und das Sehen von Licht) und verstärkte Emotionalität. 

Du sprichst von regelrechtem durch die Hölle gehen, Kundalini-Attacken und Schlafmangel. Wie hast Du das so lange ausgehalten?

Tanja Braid: Die Symptome legten sich bei mir ca. nach einem Monat nach dem Erwachen. Wie oben beschrieben, ist dies ein häufiger Verlauf des Kundalini-Aufstiegs. Zu Beginn sind die Symptome am stärksten, danach, wenn Körper und Geist adaptiert sind, wird alles ruhiger. Der Vollständigkeit halber muss angemerkt werden, dass es auch sehr schwierige Kundalini-Prozesse geben kann, die das eigene Leben schier verunmöglichen, wie es auch sehr milde Prozesse geben kann. Mein Verlauf ist jedoch typisch und viele Klienten erleben ein Kundalini-Erwachen in ähnlicher Weise.

Ein häufig verbreiteter Irrtum ist, dass Kundalini-Symptome bei einem Menschen mit einem „reinen Herzen“ quasi nicht stattfinden. Stimmiger ist, dass Kundalini-Symptome bei einem Menschen, der sein energetisches System z. B. über Yoga jahrzehntelang gereinigt und gestärkt hat, milder sein können. 

Wie hast Du es letztlich geschafft Dein Leben wieder selbst zu steuern und wieder schlafen zu können?

Tanja Braid: Ich selbst hatte darauf wenig Einfluss. Die Kundalini-Krisen legten sich irgendwann von allein, sodass ich wieder durchschlafen konnte. 

Eine einmal aktivierte Kundalini bleibt das ganze Leben lang aktiv. Würdest Du Deine Kundalini gerne wieder abgeben oder siehst Du auch Vorteile, also z. B. Fähigkeiten, über die Du dadurch verfügst?

Tanja Braid: Es gab Phasen in meinem Leben, in welchen ich auf die negativen Begleitumstände von Kundalini gerne verzichtet hätte. Wenn es im Leben Herausforderungen gibt, sei es eine wichtige Prüfung, ein Arbeitswechsel, so war oder wäre Kundalini für mich eher hinderlich, wenn sie z. B. gerade stark an mir arbeitete und ich nachts nicht schlafen konnte. Auch in Liebesbeziehungen kann sie hinderlich wirken, insbesondere durch die erhöhte Emotionalität und Sensitivität.

Im praktischen Leben bringt Kundalini nur dahingehend Vorteile, dass man z. B. eine erhöhte Gedankenreaktivität hat, dass man auch komplexe Zusammenhänge schnell(er) begreift und sich gut oder besser an einmal Gelerntes erinnern kann.

Der größte Vorteil, bzw. das Geschenk, liegt im Innerseelischen. Man kann mit Kundalini die Welt neu sehen, tiefer verstehen und holistischer denken/leben, eben weil man sich selbst und die Umwelt nicht mehr nur materialistisch erlebt. Auch wird das Leben, die eigene Biographie, neu eingefärbt – es ist ein hellerer Anstrich/Firnis, der nicht nur schön, sondern auch sehr sinnstiftend ist.

Welche Empfehlung hast Du für Zuhörer, die auch betroffen sind oder unsicher sind, ob sie betroffen sind?

Tanja Braid: Es gibt einige körperliche und/oder psychische Erkrankungen, die einem Kundalini-Erwachen ähneln können. Um nur eines zu nennen: Das Klimakterium der Frau geht z. B. mit Hitze und Schlaflosigkeit einher, dennoch ist es kein Kundalini-Erwachen.

Bevor jemand bei sich selbst auf ein Kundalini-Erwachen tippt, sollte er psychische und physische Ursachen ausschließen können. Ich selbst habe klare Kriterien erarbeitet, um bei einer Person sagen zu können, ob es sich um Kundalini handelt oder nicht. Ein Primär-Indiz ist z. B. die permanent, zu jeder Tages- und Nachtzeit, fühlbare Energie im ganzen Körper, die sich temporär auch wie Starkstrom anfühlen kann.

Ist jedoch Kundalini eindeutig erkannt, so ist es wichtig, dem Prozess Raum und Zeit zu geben. Egal, was geschieht und egal, wie es sich anfühlt, Kundalini wird mit oder ohne Erlaubnis des Erweckten arbeiten und tun, wie und wann sie möchte.

Das Lesen von Kundalini-Literatur oder den tantrischen Schriften kann sinnvoll sein, weil jeder Erweckte, egal ob er in diesem Leben einen spirituellen Weg beschritten hat oder nicht, in eben dieser Tradition steht. Man kann humorvoll sagen, dass er mit seiner Erweckung zurück in den Club gekommen ist. Doch die Clubstatuten muss er u. U. durch adäquate Literatur erst wieder kennenlernen.

Des Weiteren ist es wichtig, dass das eigene Kundalini-Erleben nicht als falsch deklariert wird, nur weil es dem traditionellen indischen Modell gerade zuwider läuft. Es kann Angst oder Sorge bereiten, wenn die eigene Kundalini z. B. so ganz und gar nicht ins klassische Schema passt, dennoch muss daran nichts falsch sein. Vielleicht steigt sie bauchseitig oder links und rechts neben der Wirbelsäule auf – oder wechselt plötzlich die Richtung. Da Kundalini schon per se Emotionen verstärkt, ist diese Angst, dass die eigene Kundalini „falsch“ ist, unnötig. In der Regel weiß Kundalini sehr genau, was sie tut.

Wie können meine Zuhörer Dich erreichen, um sich von Dir beraten zu lassen?

Tanja Braid: Ein Kundalini-Erwachen kann herausfordernd und turbulent sein. Ich gebe mein Wissen und meine Erfahrung in Beratungen gerne weiter und begleite im Kundalini-Prozess.

Ich bin auf meinem Blog Neoterisches Bewusstsein unter Kontakt sowie unter tanjabraid@yahoo.de erreichbar.

Liebe Tanja ich danke Dir ganz herzlich für Deine Zeit und Deine interessanten Einblicke in das Thema Kundalini!

In der nächsten Folge ist es mir eine sehr, sehr große Freude und Ehre den legendären Kurt Tepperwein interviewen zu dürfen. Kurt Tepperwein hat meine Ent-Wicklung und mein Leben in den letzten Monaten wesentlich bereichert.

Wir sprechen über die universellen oder geistigen Gesetze, richtig bestellen, Bewusstsein, die gerade angesprochene Kundalini, Geld, den Tod und darüber, was am 23.12.1979 passiert ist, als Kurt Tepperwein sich das letzte Mal geärgert hat.

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